Ratgeber
Wie lange dauert eine barrierefreie Website? Realistischer Zeitplan
Ein Projekt zum Thema Barrierefreie Website ist kein Wochenendvorhaben, aber auch kein Halbjahresprojekt. Was in welcher Reihenfolge passiert, woran es typischerweise hängt und wie sich die Laufzeit verkürzen lässt.
01 — Zeitrahmen
Wie lange es dauert
- Typische Laufzeit
- 3 bis 6 Wochen
- Richtwert ab
- 1.800 €
Die Laufzeit beginnt nach Freigabe des Angebots. Vorlaufzeit für Erstgespräch und Angebot: üblicherweise ein bis zwei Wochen.
02 — Ablauf
Die Schritte im Detail
Prüfen
Automatisierte Prüfung findet etwa ein Drittel der Probleme. Der Rest braucht manuelle Prüfung — Tastatur, Screenreader, Vergrößerung.
Priorisieren
Was blockiert die Nutzung, was ist ein Schönheitsfehler. In dieser Reihenfolge wird behoben.
Beheben
Umsetzung, meist in Design und Markup, seltener in der Funktionalität.
Nachweisen
Erneute Prüfung, Bericht und Barrierefreiheitserklärung für die Website.
03 — Engpässe
Woran es typischerweise hängt
- Inhalte und Zulieferungen. Der mit Abstand häufigste Verzögerungsgrund. Texte, Bilder, Preislisten, Zugänge — was fehlt, blockiert.
- Entscheidungen. Wenn unklar ist, wer freigibt, wartet das Projekt. Eine benannte Ansprechperson mit Entscheidungsbefugnis verkürzt die Laufzeit spürbar.
- Zugänge zu Drittsystemen. Zugriff auf Warenwirtschaft, Telefonanlage oder CRM zu bekommen, dauert regelmäßig länger als die Anbindung selbst.
- Abstimmungsrunden ohne Ende. Zwei Korrekturrunden sind normal, fünf sind ein Zeichen dafür, dass das Ziel am Anfang nicht klar war.
04 — Umfang
Was dazugehört
- Prüfung gegen WCAG 2.1 Level AA, automatisiert und von Hand
- Tastaturbedienbarkeit über den gesamten Ablauf, inklusive Formularen
- Kontraste, Schriftgrößen und Fokusdarstellung
- Sinnvolle Alternativtexte und korrekte Überschriftenstruktur
- Formulare mit Beschriftungen und verständlichen Fehlermeldungen
- Prüfbericht und Barrierefreiheitserklärung als Nachweis
05 — Fragen
Häufige Fragen
Was ist der häufigste Fehler?
Formulare ohne verknüpfte Beschriftungen und Bedienelemente, die sich nicht mit der Tastatur erreichen lassen. Beides fällt niemandem auf, der mit der Maus arbeitet — und macht die Seite für andere unbenutzbar.
Wie aufwendig ist das bei einer bestehenden Seite?
Sehr unterschiedlich. Eine sauber gebaute Seite braucht oft nur Kontrastkorrekturen, Alternativtexte und Fokusdarstellung. Eine Seite mit selbst gebauten Bedienelementen ohne Tastaturunterstützung kann aufwendiger werden als ein Neubau.
Was passiert bei Verstößen?
Zuständig ist das Sozialministeriumservice. Verwaltungsstrafen bis 80.000 Euro sind vorgesehen. In der Anfangsphase wurde vor allem beraten statt gestraft, das ist aber keine Zusage für die Zukunft — Verfahren laufen bereits.
Sind wir vom Barrierefreiheitsgesetz betroffen?
Das österreichische Barrierefreiheitsgesetz gilt seit 28. Juni 2025 und betrifft vor allem Onlineangebote im Verbrauchergeschäft: Onlineshops, Buchungen, E-Ticketing, Bankdienstleistungen. Kleinstunternehmen unter zehn Mitarbeitenden und zwei Millionen Euro Umsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen — beim Vertrieb von Produkten nicht. Eine reine Informationsseite ohne Verkauf fällt in der Regel nicht darunter.
Reicht ein Barrierefreiheits-Overlay?
Nein. Diese Einblendungen beheben die zugrunde liegenden Probleme nicht und werden von Betroffenenverbänden überwiegend abgelehnt. Sie können sogar zusätzliche Hürden schaffen. Barrierefreiheit entsteht im Markup, nicht in einer Ebene darüber.
99 — Weiter
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Nächster Schritt
Wir schauen uns eure Ausgangslage an.
Erzählt uns, was heute Zeit frisst. Daraus entsteht eine Einschätzung mit Aufwand und Nutzen — und erst danach ein Angebot.