Ratgeber
Lohnt sich Individualsoftware für kleine Unternehmen?
Nicht jeder Betrieb braucht Individualsoftware. Wann es sich rechnet, wann nicht, und wie man das vorher ausrechnet statt hinterher festzustellen.
01 — Passung
Wann es sich lohnt
- Der betroffene Ablauf kommt mindestens wöchentlich vor.
- Er folgt Regeln, die man aufschreiben kann — auch wenn es Ausnahmen gibt.
- Er ist heute Handarbeit, die niemand gerne macht.
- Es gibt eine Person, die entscheidet, und nicht drei, die sich abstimmen müssen.
- Ihr könnt benennen, woran ihr merken würdet, dass es funktioniert hat.
02 — Abgrenzung
Wann wir abraten
- Der Ablauf ändert sich noch. Solange ihr am Prozess selbst schraubt, ist Handarbeit flexibler und billiger.
- Die Ausnahmen überwiegen die Regelfälle. Dann automatisiert man Ausnahmen, und das wird teuer.
- Es gibt keine Datenbasis. Ohne digital verfügbare Ausgangsdaten fehlt die Grundlage.
- Das Volumen ist zu klein. Bei fünf Vorgängen im Monat rechnet sich kein System — auch kein günstiges.
- Der eigentliche Engpass liegt woanders. Wer zu wenig Anfragen hat, braucht keine schnellere Bearbeitung.
03 — Rechnung
So rechnet man es aus
Vier Zahlen genügen: Wie oft kommt der Ablauf vor? Wie lange dauert er? Was kostet eine Stunde intern? Und was kostet die Lösung — einmalig plus Betrieb über drei Jahre?
Ein Beispiel: Ein Ablauf, der wöchentlich zweimal vorkommt und jeweils 40 Minuten dauert, bindet im Jahr rund 69 Stunden. Bei einem internen Stundensatz von 45 Euro sind das etwa 3.100 Euro jährlich. Eine Lösung, die 12.000 Euro kostet und den Aufwand um zwei Drittel senkt, ist nach etwa anderthalb Jahren bezahlt.
Diese Rechnung ist bewusst konservativ: Sie berücksichtigt nur die eingesparte Zeit, nicht die vermiedenen Fehler und nicht die Aufträge, die durch schnellere Reaktion zustande kommen. In der Praxis liegt der Nutzen meist höher — aber man sollte nicht damit rechnen, bevor man es gemessen hat.
04 — Einordnung
Was die Erfahrung zeigt
Die teuersten Softwareprojekte sind die, bei denen zwölf Monate lang niemand etwas benutzen konnte.
05 — Fragen
Häufige Fragen
Wann lohnt sich eigene Software gegenüber Standardsoftware?
Wenn euer Ablauf ein echter Wettbewerbsvorteil ist, wenn Standardsoftware nur zu siebzig Prozent passt und der Rest in Handarbeit endet, oder wenn die Lizenzkosten pro Nutzer die Entwicklung über wenige Jahre übersteigen. Wenn es nur um Bequemlichkeit geht, ist Standardsoftware billiger.
Wie vermeiden wir, dass das Projekt entgleist?
Kleine Schritte mit nutzbarem Ergebnis, feste Budgets pro Schritt, und die Möglichkeit, nach jedem Schritt auszusteigen. Große Festpreisprojekte über zwölf Monate sind der zuverlässigste Weg in die Enttäuschung — für beide Seiten.
Was passiert, wenn wir nicht mehr zusammenarbeiten?
Ihr habt Code, Dokumentation und Zugänge. Wir setzen bewusst auf verbreitete Technologien, damit ein Wechsel möglich ist, ohne dass jemand alles neu bauen muss.
Können wir mit einer Tabelle anfangen?
Oft ja, und das ist ein guter Test. Wenn die Tabelle den Ablauf abbildet und nur an Mehrbenutzerfähigkeit, Rechten oder Datenmenge scheitert, ist die Anforderung klar und das Projekt kalkulierbar.
Wem gehört der Quellcode?
Euch, vollständig, ab Bezahlung. Das steht im Vertrag. Ihr könnt damit zu jedem anderen Entwickler gehen — das ist der Punkt.
99 — Weiter
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Wir lesen jede Anfrage selbst und melden uns persönlich zurück. Kein Vertriebsteam, kein Rückrufformular in die Leere.